Die Abessinier  Cellani Abessinier

 

MagicShine Fiery Prince

Abessinier                   

Kinder der Götter

Ingrid Filgraebe

Voller Anmut blickt uns eine Katze von fast statuenhafter Schönheit an, taucht ihren strahlenden Blick minutenlang tief in den unseren, erhebt sich sodann und schreitet mit unnachahmlicher Grazie davon ins Sonnenlicht, konzentriert und dennoch gelassen.

„Kind der Götter“, so nannten einst Helen und Sidney Denham im Jahre 1951 die Abessinier! Welch treffender Name für diese majestätische Katze! Denn was könnte schmeichelhafter sein als der Vergleich mit den altägyptischen Bastetkatzen? Wer würde es nicht faszinierend finden, seine eigene Katze als eine direkte Nachfahrin, ja als Reinkarnation jener zu sehen?

So wunderbar und beeindruckend diese Vorstellung auch ist, einer genetischen Überprüfung hält sie leider nicht stand. Um uns ihrem Ursprung anzunähern, führt uns der Weg zunächst zurück, und zwar nach England.

 

Geschichte und Herkunft der Abessinier

Ihr Weg nach Europa

Dort in England taucht sie erstmals auf, in London, 1868. Ihr Name ist Zula oder Zulu. Goldbraun ist ihr ungewöhnliches Fell, und mit bernsteinfarbenen Augen schaut sie uns an. Ob die Frau von Oberst Barrett-Lennard, der sie gehört, die ungewöhnliche Katze mitgebracht oder der Vorgesetzte ihres Mannes, Lord Robert Napier, die exotische Schönheit entdeckt hatte und importiert, ist unbekannt. (3. U. Birr, Die Abessinierkatze, 2001) Als Erläuterung zu einer kolorierten Lithografie erfahren wir nur: „... Die Katze kommt aus Abessinien in Folge des Krieges .. und ist alles in allem ein wundervolles Exemplar der Katzenfamilie“. Das Bild selbst zeigt „...Unterschiede gegenüber den Abessiniern, die wir heute kennen..“. „Die Ohren sind klein, der Körperbau kräftig. Und in Relation zum Kopf ist der Körper groß, und auch die Pfoten erscheinen eher groß im Vergleich zu den sehr kleinen der heutigen Abessinier..“ (4. Denham/Balke, Child of the Gods, 1951/1979). Mehr wissen wir nicht, denn nirgendwo ist etwas über ihre Nachkommen verzeichnet oder was überhaupt aus ihr wurde.

Lange war man davon ausgegangen, diese Katze habe in Abessinien, dem heutigen Äthiopien, und in den benachbarten Gebieten ihren Ursprung, und eben auch in Ägypten. Denn was „.. auch immer der exakte Ursprung der ersten domestizierten Katze ist, das verdanken wir ihrer Verehrung im alten Ägypten.“ (4. Denham / Balke, a.a.O.) So festigt sich sehr schnell die Vorstellung, in der Abessinier sei die altägyptische Bastetkatze zu neuem Leben erwacht.

 Cellani Sieno Massai

Anfang des 20. Jahrhunderts versuchen Katzenenthusiasten erneut, dem Phantom Zula auf die Spur zu kommen. So sehr sie aber auch in Äthiopien und den angrenzenden nordafrikanischen Regionen suchen, es gelingt ihnen nicht, unter den zahllosen Straßenkatzen, den wilden und halbwilden Falbkatzen auch nur ein einziges Tier zu finden, das optisch der Abessinierin entspricht. Es vergehen Jahrzehnte, bis man sich der möglichen Bedeutung einer im zoologischen Museum im niederländischen Leiden ausgestellten Katze mit Agouti-Fell (wildfarben) bewusst wird. Sie ist dort als indische Hauskatze zu sehen. (3. U. Birr, a.a.O). Auch die Abbildung zweier weiterer sogenannter asiatischer Abessinier in einem englischen Katzenjournal nährt eine neue Idee. Man beginnt, ganz woanders nach ihr zu suchen. Und dieses Mal werden die Katzenforscher fündig: Tausende von Kilometern entfernt von Nordafrika, in den Slums von Singapur und Ceylon, sichten sie Tiere, deren geticktes Fell sie eindeutig in die Gruppe der Abessinier einordnet, - einfache Haus- und Straßenkatzen, die wir mit ihrem „abessinischen“ Fellkleid auch heute noch dort antreffen.

Wie mag ihre Reise bis nach Europa ausgesehen haben? Wieso landete sie schließlich hier?

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kam es durch englische Händler, durch reisende Kolonialbeamte und, wie wir aus dem oben genannten Bildkommentar schließen können, auch kriegsbedingt zur Verbreitung der Abessinier. „Es kann also durchaus sein, dass die Phantomkatze Z., als sie nach England kam, bereits zum zweiten Male emigrierte und vorher von britischen Soldaten aus dem indischen Raum nach Afrika verschleppt worden war.“ (3. U. Birr, a.a.O)

 

Anerkennung als eigene Rasse

Einmal im katzenvernarrten England gelandet, blüht rasch die Zucht mit den attraktiven getickten Katzen. Denn außer Zula tauchen mehr der goldbraunen Katzen auf, .. woher bleibt reine Spekulation. Sie werden mit Hauskatzen und anderen Rassekatzen gekreuzt, denn ihre Zahl ist klein, und man experimentiert freudig und reichlich und zeigt sie anfangs unter den verschiedensten Namen, wie Spanische, Russische, Hasenkatze und  Bunny Cat (4. Denham / Balke, a.a.O). Auch nutzt man sie als reine Rasse für Einkreuzungen in bestehende andere Rassen. So verändert sich ihr Äußeres dahin und dorthin, sogar Silberfarbene treten auf und werden in beträchtlicher Zahl als anerkannte Varietät gezüchtet noch über die Jahrhundertwende hinaus. Leider geben die Zuchtbücher der Anfangszeit kaum genaue Informationen über das Zuchtgeschehen. Wann man sich letztlich wieder auf die ursprüngliche braungoldene Farbe besann als eigentliche Abessinierfarbe, ist nicht genau zu ermitteln.

1871 taucht die Abessinier erstmals auf einer großen Katzenausstellung auf, jener legendären im Londoner Crystal Palast. Schon in den Achtzigern ist die schöne Braune zumeist nur noch unter dem Namen Abessinier bei den Katzenliebhabern präsent. 1882 wird sie als Rasse vom englischen Katzenclub anerkannt und erhält 1889 von dessen Präsidenten, Harrison Weir, die erste Standardbeschreibung. Damit gehört die Abessinier zusammen mit den Siamesen und Persern zu den ältesten anerkannten Rassekatzen der Welt. 1929 gründet der bekannte Züchter Major E. S. Woodiwiss den ersten Abyssinian Cat Club in England. Seit diesem ihrem ersten Auftauchen in Europa ist ihre Beliebtheit bis heute ungebrochen.

1907 gelangt die erste Katze aus England in die USA, wo sie sofort glühende Anhänger findet und von der Cat Fanciers Association (CFA) schon 1911 als eigenständige Rasse anerkannt wird. Seit dieser Zeit ist sie regelmäßig auf Ausstellungen zu sehen, mit Europa entsteht ein reger Zuchtaustausch.

In Deutschland taucht erstmals 1929 eine Abessinierkatze auf. Während der ersten Hälfte des 20. Jhrdt.s kommt es in Europa aufgrund der beiden Weltkriege zu enormen Rückschlägen. Viele Tiere werden kastriert oder in die USA geschickt. „In England, dem damaligen Zentrum der Abessinierkatzenzucht in Europa, überleben lediglich 12 reinrassige Abessinierkatzen ...“ (M. Bahmann, Abessinierkatze, Wikipedia).

 Merindalee Mia Farrow

Erst in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts schließlich konsolidiert sich das Zuchtgeschehen zunehmend in Europa. Besonders aus den USA, wo sich eine breite züchterische Basis entwickelt hat, werden mit Beginn der 80er Jahre zahlreiche Tiere nach Europa importiert. In Deutschland und den Niederlanden gründen sich spezielle Rasseclubs und Vereinigungen (Aby & Somali Club, RAS, Raskan. SAN), die sich der Zucht und spezieller Rassefragen annehmen. In den folgenden Jahrzehnten entstehen in Europa mehr und mehr Abessinierkatzen-Zuchten, seit der Jahrtausendwende zunehmend auch in Osteuropa.

Damit sind wir in der Geschichte der Abessinierkatze in der Jetztzeit angekommen. Längst ist sie über den gesamten Erdball verbreitet, und es findet durch die Vernetzung im Internet ein weltweiter Austausch von Zuchttieren statt.

Sprechen wir von der Abessinier des Anfangs, ist vor allem jene Katze mit dem goldbraunen Fell gemeint. Denn obwohl, wie erwähnt, schon um 1900 eine silberne Variante etabliert war, begrenzt sich die Wahl der Züchter und auch der Liebhaber schon früh im 20. Jahrhundert letztlich wieder auf die ursprüngliche Farbe. Lange dauert es danach, bis neben der goldbraunen Abessinier (benannt als wildfarben, tawny und ruddy) überhaupt eine weitere andere Farbe zugelassen wird. Bis zum Jahre 1963 muss die sorrelfarbenen Abessinier mit ihrem kupferroten Farbspiel warten auf ihre Anerkennung, obwohl schon seit Jahrzehnten überall immer wieder Kätzchen mit dieser „anderen“ Farbe fallen. Danach vergehen weitere rund 25 Jahre, bis zusätzliche neue Farben (Blau, Beige-fawn und alle Silbervarietäten) - entstanden auch über Einkreuzung anderer Rassen - bei einer größeren Zahl von Züchtern überhaupt akzeptiert und schließlich von den Zuchtvereinen als eigenständige Abessinierfarbe ihre Anerkennung finden.

Cellani Cupro Gabun 

Obwohl sich über viele Jahre gerade die neuen Farben steigender Beliebtheit erfreut hatten, ist etwa seit dem Jahr 2005 festzustellen, dass es, wie schon bald nach 1900, wieder eine Tendenz zur Rückbesinnung auf die ursprüngliche goldbraune Variante gibt, ergänzt und bereichert durch jene kupferrote. Es scheint, als sei das Urbild der goldbraunen Abessinier aus dem inneren Vorstellungsbild ihrer Anhänger und Liebhaber letztlich doch nicht zu löschen.  

Als schwierig, ja fast aussichtslos gestaltet sich aktuell die Suche einiger Züchter nach Tieren deren Vorfahrenreihe allein Katzen in Wildfarben und Sorrel aufweist ohne Anlage für verdünnte Farben.

 

Aussehen der Abessinier

Schauen wir nun endlich ihr Aussehen genau an, zoomen wir uns gewissermaßen heran an diese so zeitlos fern anmutende Schönheit:

 

Eleganz in Person

Da sehen wir eine schlanke, muskulöse Kurzhaarkatze von mittlerer Größe vor uns, die in ihrem harmonisch proportionierten Erscheinungsbild einen Katzentyp verkörpert, der genau zwischen den Extremen liegt. Weder ist sie gedrungen oder massiv, wie z.B. die British Shorthair oder die Perser, noch sehr lang und schmal wie die Orientalisch Kurzhaar- oder Siamkatze.

Ihr geschmeidiger, sehniger und kraftvoller Körper wird getragen von langen, schlanken und muskulösen Beinen, die in kleinen, ovalen Pfoten den. Der am Ansatz starke Schwanz ist lang und verjüngt sich zur Spitze hin. Sowohl im Stand als auch in der Bewegung zeigt sich so das Bild eines immer hochbeinig wirkenden, eleganten Tieres, das zugleich kraftvolle Sprungbereitschaft vermittelt. Dies allein schon macht sie den ägyptischen Bastetstatuen verblüffend ähnlich. Verstärkt wird dieser Eindruck durch ihren charakteristischen Kopf, der auf einem langen, muskulösen Hals ruht. Wie fein gemeißelt erscheint er in seiner gemäßigten Keilform. Brauen und Wangen sind weich gerundet. Sanfte Konturen bestimmen auch das Profil mit dem kräftigen Kinn. Der mittellange Nasenrücken ist gerade bis sacht geschwungen mit einer leichten Einbuchtung zwischen Nasenrücken und Stirn. Ihre großen Ohren stehen weit auseinander, wie aufmerksam lauschend platziert, mit möglichst viel Weite über der Kopfmitte. Manchmal weisen sie noch die dem Luchs vergleichbaren Ohrpinsel auf. Komplettiert wird das Gesicht der Abessinier durch ihre mandelförmig geschnittenen, großen Augen, die in leuchtendem Bernsteingold, Haselnuss oder Grün strahlen. Ihren intensiven Blick betont eine dunkel pigmentierte, an einen Kajalstrich erinnernde Linie direkt um die Augen, die von einer hellen Fellzone umrahmt ist.

 

Agouti-Fell und Farben

Auffälligstes Merkmal, das die Abessinier von allen anderen Katzenrassen unterscheidet und das uns beim Betrachten sofort als bemerkenswert ins Auge sticht, ist die charakteristische Färbung ihres Fellkleides. Im Idealfall völlig frei von allen bekannten Zeichnungsmustern (Tigerung, Stromung und Tupfung), ist es dennoch nicht einfarbig. Denn jedes Haar ist von der Haut zur Haarspitze hin in sich zweifach gebändert im Wechsel von „Hell-Dunkel-Hell-Dunkel“. Dadurch entsteht ein lebhaft „gestichelter“ und doch einheitlich gemusterter Gesamteindruck, dem eines Wildkaninchen, Feldhasen oder sogar Igel ähnlich. Der Fachbegriff hierfür ist „Agouti“, abgeleitet von der ebenso gefärbten Nagetiergattung gleichen Namens.

Dass Agouti bei der Abessinier in seiner reinsten Prägung sichtbar wird, ist aber nur möglich, da sie zugleich eine Erbanlage für Zeichnungsfreiheit trägt.

 Cellani Siena Etoscha & Sieno FarisZüchterische Auslese reduzierte die letzten Reste von Zeichnung auf ein absolutes und durchaus erwünschtes Minimum. So sehen wir, schauen wir ihr ins Gesicht, sehr kleidsame dunkle Streifen vom äußeren Augenwinkel zum Ohransatz hin, ein von hellem Fell umgebenes dunkles M auf der Stirn, das auch als „Skarabäus-Mal“ bezeichnet wird, und schließlich eine hellere Fellpartie rund ums Schnäuzchen. Nicht erwünscht dagegen sind Streifen und Schattierungen an der Innenseite der Vorderbeine, mögen sie auch noch so hell sein, und am Übergang vom Hals zur Brust, in der Züchtersprache als „Halsband“ bezeichnet.
Agouti als diese für die Rasse charakteristische Bänderung jedes Haares, im Züchterjargon „Ticking“ genannt, ziert Kopf, Rücken, Schenkel und Schwanz der Abessinier. In besonders intensiver Weise leuchtet die Farbe als dunkle Zone über der Rückenmitte. Dieser sogenannte „Aalstrich“ setzt sich über der Schwanzoberseite fort bis zur einfarbig endenden Schwanzspitze. Bauch, Brust und Innenseiten der Beine leuchten einheitlich in der Grundfarbe.

Gewünscht wird die Abessinier immer in einer dunkelglühenden, sehr leuchtenden Tönung. Durch den Agouti-Effekt schimmert das kurze und eng anliegende Fell der Abessinier im Licht wie changierende Seide, je nachdem, in welcher Farbe sie vor uns steht, also in goldenem Braun (wildfarben), feurigem Kupfer (sorrel) oder heller in warmem Schieferblau (blau) und lachsfarbenem Rosé (beige-fawn).

 

Wesen der Abessinier

Umgang mit anderen Vierpfotigen

Der Umgang mit ihresgleichen ist klar und bestimmt. Denn selbstverständlich beansprucht sie die Chefinnenrolle für sich. In der Regel hat sie diese inne vom ersten Moment an, in dem sie als Kind ihren neuen Wirkungskreis betritt. Und Katzen anderer Rassen (Hunde sowieso) lassen ihr diese Rolle gern, bemerken sie doch zumeist gar nicht, wie die Abessinierin mit dem ihr eigenen Charme und gelebter Überzeugung andere Mitbewohner im Nu um die zarte Pfote wickelt. Das geschieht so selbstverständlich, dass jene den Eindruck erwecken, ihr gesamtes bisheriges Leben sei ohnehin nur ein Warten auf dieses anbetungswürdige, wendige, agile und einfallsreiche Geschöpf gewesen.

Schwierig kann es demzufolge werden, wenn das Heim von mehr als nur einer dieser Göttinnen bevölkert wird, .. in der Regel der Normalfall für jede Abessinierzucht. Da kann es dann unvermittelt sein, dass eine von ihnen - ohne Vorankündigung gewissermaßen -, vielleicht nach einer Reihe von drei oder vier Jahren sogar, plötzlich für sich entscheidet, es sei nun die Zeit gekommen, dass sie Chefin werde. So etwas kann eine vorab harmonisch erscheinende Gruppe komplett durcheinanderwirbeln.

 Cellani Cupra Letossa

Aber natürlich gibt es auch unter Abessiniern enge und echte Freundschaften, wenn sie denn auf eine ihrer Rasse trifft, die sie im wahrsten Wortsinne gut riechen kann, die ihr eigenes Tempo lebt und liebt. Solche „Lieben des Lebens“ sind in allen Konstellationen möglich, zwischen Kater und Katze, Mutter und Kind, Vater und Kind, Geschwistern eines Wurfes und was es sonst noch an Verbindungen geben mag. Dann genießt sie trotz ihrer großen Individualität die Gesellschaft des anderen in allen denkbaren Lagen gemeinsamen Lebens, seien dies nun die Freuden ausgelassener Jagereien oder stiller philosophischer Betrachtungen.

 

Eine Göttin und ihre menschlichen Begleiter

Wie gestaltet sich das Zusammenleben mit einer solch exotischen Schönheit? Erweist sie sich in all ihrer ästhetischen Äußerlichkeit auch als „alltagstauglich“?

Ohne Einschränkung lässt sich sagen: So sonnig wie ihr Äußeres ist auch ihr Wesen, strahlend, liebenswürdig, voll Wärme und jeden verzaubernd.

Sanft und leise geht sie auf uns zu, gibt Köpfchen, strahlt uns aus Mandelaugen an, blinzelt uns zu und zeigt in jeder ihrer sanften, anschmiegsamen Bewegungen ihre Zuneigung. Ist sie sich unserer Erwiderung sicher, schwillt ihr zartes Schnurren zum Dröhnen an. Dann legt sie dem geliebten Menschen ihre Pfoten um den Hals, schmiegt ihr Köpfchen unter sein Kinn und putzt ihn .. gründlich .. und mit rauer Zunge. Verschwenderisch geht sie dennoch mit ihrer Liebe zu ihrem Menschen nicht um. Es bedarf schon der besonderen Situation, da müssen Zeit, Platz und Anlass genau nach ihrem Geschmack sein. In jedem Falle nimmt sie sich, was sie will, .. „hilft“ dazu beim Zeitungslesen, sitzt einfach direkt vor dem Bildschirm, legt sich, den geschmeidigen Körper langsam absenkend, auf die anderweitig beschäftigten Arme. Es sind jene unter ihnen, die selbst Fremden ohne zu zögern förmlich in den Arm fliegen in ihrem Vertrauen in uns. Wer kann sich dem verweigern?

Daneben gibt es noch die etwas scheuere und sprödere, dafür aber besonders treue Abessinier. Sie vergöttert nur ihren Menschen oder ein einzelnes Mitglied der Familie. Ganz so zärtlich wie jene andere benimmt sie sich nicht und neigt durchaus zur Eifersüchtelei. Hat sie „ihren“ Menschen gefunden, können ihr andere getrost gestohlen bleiben. Reserviert, ja mit Arroganz lässt sie sich von diesen bestenfalls bewundernd betrachten, um dann –allein mit „ihrem“ Menschen – in überschwängliche Zuneigungsbekundungen zu verfallen.

Ohne jede Scheu oder Zurückhaltung nimmt die Abessinier teil an unserem Leben, grundsätzlich und sowieso bei allem, was wir ihr anbieten und zulassen. Das geht weit über einschlägige Spielchen mit Knisterbällchen und Co hinaus, .. reicht vom morgendlichen Besuch unter der Dusche oder in der gefüllten Badewanne über den Balanceakt auf jeder sich öffnenden Tür, vom Schleppen abgelöster kompletter Tapetenbahnen und dem gezielten Wegräumen eigenen Spielzeuges bis zum höflichen Hinausgeleiten lieben Besuches bis zur Tür. Apportieren und das punktgenaue, also Kräfte sparende Öffnen von Türen und Schränken gehören nahezu zu ihrem Normalprogramm. Nicht selten bildet sie dabei mit anderen ihrer Spezies sogar Allianzen. Einfallsreichtum und Beharrlichkeit machen sie nicht zuletzt zu einer geschickten und erfolgreichen Jägerin. Sie sei die Abiturientin unter den Katzenrassen, sagte unlängst jemand über die Schöne. Ein wenig elitär? Zugegeben! Aber so ganz falsch ist die Einschätzung nicht.

 

„Zu welchen Menschen eine Abessinier passt?

Zu allen, die pure Schönheit lieben, denen beständige Zuneigung und Treue wichtiger sind als spontane heftige Liebesbezeugungen, die gemeinsam ruhige Stunden schätzen, aber auch einer hitzigen Spiel-Schlacht nicht abgeneigt sind. Vor allem aber: die da sind, weil sie gebraucht werden.“ (U. Birr, a.a.O.)

Denn die Abessinier ist nicht gern allein.

Cellani Sieno Mandingu

 

Coda

Schauen wir sie zum Schluss noch einmal an, diese ägyptisch anmutende Schönheit mit den asiatischen Wurzeln. Da wendet sie, während wir leise ihren Namen sagen, den Kopf, lächelt uns an und kommt behände auf uns zu, wieder mit dieser Grazie, konzentriert und dennoch gelassen, legt uns die Pfote auf den Arm ... und fordert bestimmt und unnachgiebig nach dieser langen Wartezeit, während wir über sie schrieben, ... etwas zu fressen! 

... damit sagend, auch ägyptisch anmutende Schönheit lebt im Hier und Jetzt.

 

 

Quellen

1.  Abessinier – Handreichung für Richterschüler, I. Filgraebe, 1985 & 2009

2.  Typ – Ticking –Trends, I. Filgraebe, Rassevortrag Helsinki 2009

3.  Die Abessinierkatze, U. Birr aus „Geliebte Katze“, in RAS Sonderheft, 2001

4.  Child of the Gods, H. & S. Denham, 1951, G. Balke (Übers.), 1979

5.  Abessinierkatze, M. Bahmann, Wikipedia, 2006

6.  Abessinierkatzen, E. Voigt, Verlagsgesellschaft R. Müller GmbH, 1982

7.  CFA Standard für Abessinier, Chr. Ruessheim (Übers.), 1998

8.  Rex, Abyssinian & Turkish Cats, A. Ashford & G. Pond, John Gifford Ltd. 1972

9.  Abyssinians, R. Zimmermann, T.F.H. Publications, Inc., Ltd., 1980